Die künstlerische Arbeit von Viola Poschenrieder-Schink ist eine fortwährende Auseinandersetzung mit grundlegenden Fragen unseres Seins. Es geht um Wahrnehmung, um Veränderung und um die Beziehungen zwischen Mensch und Umwelt. Ihre Arbeiten entstehen in thematischen Zyklen, in denen sich unterschiedliche Gedanken, Materialien und Ausdrucksformen miteinander verbinden. Dabei entwickelt die Künstlerin ein vielschichtiges Werk, das sich nicht auf eine bestimmte Technik oder eine eindeutige Bildsprache festlegen lässt.
Seit längerer Zeit steht die Natur im Mittelpunkt ihres künstlerischen Wirkens. Doch Natur ist hier nicht einfach ein Gegenstand, der dargestellt oder abgebildet wird. Sie wird vielmehr zum Ausgangspunkt einer intensiven Beschäftigung mit den Bedingungen unseres Lebens. Verfremdung und Anmutung, der natürliche Kreislauf und die Fragilität sind Themen, die dabei eine besondere Rolle spielen.
Wie nehmen wir unsere natürliche Umgebung wahr? Was erscheint uns vertraut, was fremd? Und wie verändert sich unser Blick, wenn wir uns auf die komplexen Zusammenhänge und die Verletzlichkeit unserer Umwelt einlassen?
Viola Poschenrieder-Schink nähert sich diesen Fragen mit einer offenen, experimentellen Arbeitsweise. Zeichnung, Malerei, Objekt und Installation bilden unterschiedliche Ebenen ihrer künstlerischen Praxis. Die einzelnen Medien stehen dabei nicht isoliert nebeneinander, sondern treten miteinander in einen Dialog. Aus diesem Zusammenspiel entstehen neue Formen und Bezüge, die über das unmittelbar Sichtbare hinausweisen.
Die Künstlerin beschreibt ihren Arbeitsprozess als ein Verdichten, das sich von der Zeichnung zum Objekt, zur Malerei oder Installation entwickeln kann – oder auch genau umgekehrt. Es ist ein prozesshaftes Arbeiten, bei dem sich Ideen und Formen im Verlauf der künstlerischen Auseinandersetzung verändern. Überlagerungen von Materialien und Techniken werden zu einem wesentlichen Bestandteil dieses Vorgehens.
Diese Offenheit spiegelt sich auch in der Struktur ihrer Werkzyklen wider. Einzelne Arbeiten können für sich stehen und entfalten zugleich im Zusammenhang mit anderen Werken zusätzliche Bedeutung. So entsteht ein Netzwerk aus Assoziationen und Bezügen, das sich erweitern und mit weiteren Themenkreisen verbinden lässt.
Auch der architektonische Hintergrund der Künstlerin eröffnet einen interessanten Zugang zu ihrem Werk. Raum, Struktur und das Verhältnis einzelner Elemente zueinander sind Aspekte, die sich in den unterschiedlichen Darstellungsformen wiederfinden lassen. Dabei geht es nicht allein um die Gestaltung einer Fläche oder eines Objekts, sondern ebenso um die Frage, wie wir Räume wahrnehmen und welche gedanklichen und emotionalen Erfahrungen sich darin entfalten können.
Die Arbeiten von Viola Poschenrieder-Schink verlangen deshalb nicht nach einer einzigen, verbindlichen Interpretation. Sie eröffnen vielmehr Freiräume für eigene Gedanken, Erinnerungen und Empfindungen. Ihre Vielschichtigkeit lädt dazu ein, genauer hinzusehen, Zusammenhänge zu entdecken und vertraute Sichtweisen zu hinterfragen.
Die Künstlerin selbst bringt diese Haltung in ihrer Beschreibung der Ausstellung auf den Punkt: Durch die verschiedenen Darstellungsebenen entsteht Raum für Assoziationen und Bezüge, „ohne Anspruch auf Eindeutigkeit oder Absolutheit“.
Und sie fügt diesem Gedanken ein ebenso knappes wie vielsagendes Wort hinzu: „natürlich!“
Dieses Wort verweist nicht nur auf die Natur als Gegenstand ihrer künstlerischen Beschäftigung. Es lässt sich auch als Ausdruck einer Haltung verstehen: einer Offenheit gegenüber dem Veränderlichen, dem Unabgeschlossenen und dem Vieldeutigen. Nicht alles muss abschließend erklärt werden. Manchmal genügt es, sich auf das einzulassen, was sich im Betrachten entwickelt.
In diesem Sinne lädt uns die Ausstellung ein, die Natur und unser Verhältnis zu ihr neu zu betrachten – aufmerksam, fragend und mit offenem Blick.
