Kunst-Haus

MATERIA FLORIDA

Dass Katja Wunderling bereits zum dritten Mal ihre Arbeiten im Kunst-Haus präsentiert, spricht für eine gewachsene künstlerische Verbindung und für ein Werk, das sich kontinuierlich weiterentwickelt und dabei seiner eigenen Haltung treu bleibt.
Im Mittelpunkt von Katja Wunderlings Arbeiten steht die intensive Auseinandersetzung mit der Pflanzenwelt – ihrer Schönheit, ihrer Vielfalt und ihrer zugleich verletzlichen Existenz. Pflanzen sind für sie weit mehr als bloße Naturerscheinungen. Sie werden zu Ausgangspunkten eines künstlerischen Forschungsprozesses, in dem genaues Beobachten, geduldiges Sammeln und sorgfältiges Gestalten untrennbar miteinander verbunden sind.
Am Beginn ihrer Arbeiten steht oft das Sammeln. Samenstände, Blätter, Gräser, Blüten oder andere pflanzliche Fundstücke werden aufmerksam ausgewählt, konserviert und geordnet. Bereits dieser Prozess ist Teil ihres künstlerischen Denkens. Was zunächst wie eine botanische Sammlung erscheinen mag, verwandelt sich im Atelier Schritt für Schritt in eine eigenständige Bildsprache.
In Zeichnungen, Assemblagen und Objektarbeiten löst Katja Wunderling die einzelnen Pflanzenelemente aus ihrem natürlichen Zusammenhang und fügt sie zu neuen Kompositionen zusammen. Rhythmus, Wiederholung und feine Linienstrukturen erzeugen dabei Bildräume, in denen organische Formen und grafische Ordnung miteinander verschmelzen. Es entstehen imaginäre Gewächse und filigrane Strukturen, die vertraut und zugleich überraschend fremd wirken. Erst bei genauerem Hinsehen offenbart sich ihre Herkunft aus der realen Pflanzenwelt.
Diese Arbeiten zeichnen sich durch eine außergewöhnliche Präzision aus. Sie vermitteln Leichtigkeit und wirken beinahe schwebend, beruhen jedoch auf einem konsequenten gestalterischen Prozess, der Geduld, Konzentration und handwerkliche Sorgfalt verlangt. Das scheinbar Zufällige der Natur wird nicht kopiert, sondern in eine neue Ordnung überführt, die den Blick für verborgene Zusammenhänge öffnet.
Dabei entsteht ein spannendes Wechselspiel zwischen Natur und Kunst. Die Pflanzen bleiben als Ausgangsmaterial erkennbar, werden jedoch zu Trägern einer eigenständigen künstlerischen Aussage. Wachstum, Vergänglichkeit, Fragilität und Erneuerung sind Themen, die in den Arbeiten stets mitschwingen, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Vielmehr laden sie die Betrachtenden dazu ein, selbst zu entdecken, zu vergleichen und Assoziationen zu entwickeln.
In einer Zeit, in der Fragen nach dem Verhältnis von Mensch und Natur immer drängender werden, entfalten Katja Wunderlings Arbeiten eine stille, aber eindringliche Aktualität. Sie machen auf die Schönheit selbst kleinster pflanzlicher Strukturen aufmerksam und erinnern daran, wie eng ästhetische Wahrnehmung und achtsamer Umgang mit unserer Umwelt miteinander verbunden sind.