Spiegelein, Spieglein an der Wand ...

Vom 17. September bis zum 26. Oktober zeigen wir Arbeiten des Osnabrücker Künstlers Bernd Rüsel.

 

ohne Titel

Was interessiert diesen Künstler? Zunächst einmal ist es die Lust, zu malen, und immer weiter zu malen. Doch wer tiefer blickt, erkennt: Es geht immer darum, das „Eigentliche“ einzufangen. Eine bestimmte Stimmung, ein bestimmter Blick, ein besonderes Licht. Dazu, eine Form zu finden, ein Material, einen Untergrund, der der Idee den richtigen Dreh gibt. Bei Rüsel sind es häufig die alten Holzstücke, die ihn in ihrer Materialität locken und für die er die passende Idee sucht (oder für die Idee das passende Stück), manchmal auch die wunderbaren Landkarten, die nur eine dünne Malweise zulassen und deren Präsenz allein ihn ansprechen und ihn manchmal ratlos machen. Wenn der Einfall kommt, geht es meist ganz schnell…

Wie arbeitet Rüsel? In den Museen lädt er sich auf, zeichnet vor den Originalen – meist der Renaissance oder des Barock – um sich die Bilder zu erschließen und ein Stück weit zu begreifen, warum sie für ihn so faszinierend sind. Im Atelier benutzt er für die Arbeit alles, was ihm nützlich erscheint, eigene Zeichnungen, Fotos, Zeitungsausrisse, Netzfunde. Ein Entwurf entsteht meist ohne Vorzeichnung direkt auf dem Bildgrund, die Kohlezeichnung erlaubt immer wieder ein Umarbeiten durch Wegwischen und Verändern, bis ein Entwurf „steht“. Mit lasierenden Ölfarben beginnt das Ganze, dann kann er immer wieder umarbeiten, bis er ein Bild als fertig ansieht. Das Spiel der Farben ist der Hauptteil des Geschehens, auf eher reflektierte Anlage folgt intuitives Weiterarbeiten. Ölfarbe hat den besonderen Reiz, dass sie sehr langsam trocknet. Hierdurch bietet sich die Möglichkeit, auf bereits angezogenen Flächen weiter zu arbeiten – und die Farben verbinden sich anschließend. Neben der Modulierung der Farbe macht hier das Zusammenspiel mit dem jeweiligen Untergrund und der Findung von „Gegenfarben“ auf den Nachbarflächen - oder von Ornamenten – den Reiz aus.

Da Rüsel sich gern Themen stellt, die nicht so einfach zu fassen sind, malt er gern Menschen. Und Tiere. Tiere sind so ausdrucksstark, sie dürfen nicht fehlen. Außerdem ist Rüsel mit Schafen, Kühen, Hühnern, Hunden und Katzen auf „Du und Du“, und zwar durch das Geschenk einer Kindheit, die heute als ereignisarm bezeichnet würde. Schon als Kind war er „Besitzer“ einer Schafherde, half Tieren auf die Welt und mistete regelmäßig aus.

Bei Menschen müsste konkreter von „Frauen“ gesprochen werden. Sie sind es, die Rüsel interessieren, Männer meint er hingegen bereits zu kennen. Es ist also die Schönheit der Frauen, die Rüsel malt, und zwar so, dass sie durch die Malerei erst richtig sichtbar wird. Aber es geht natürlich nicht nur um die Frau, es geht auch um das Bild. Er liebt es, mit den Figuren zu spielen, auszuprobieren, inwieweit ein radikaler Ausschnitt noch funktioniert und zugleich ein Konzentrat auf das Wesentliche zu erzeugen.

Das Wesentliche, Eigentliche, was ist es?